Das Tor steht weit auf!

Das Tor steht weit auf!

Das Saisonziel war ja spätestens nach dem Punktverlust der Verfolger erreicht: absteigen können wir nicht mehr! Vor dem Samstagsspiel bei der immer noch abstiegsgefährdeten HG Nürnberg hatte die Mannschaft zusammengesessen und für die fünf Spiele der Rückrunde mit ihrem Trainer gemeinsam festgelegt, dass sie nur von Spiel zu Spiel entscheiden würden, wie ernst sie die Rückrunde letztlich nehmen wollten. Und da das scheinbar Unmögliche – der Aufstieg in die 1. Bundesliga – noch möglich erschien, galt für das HGN-Spiel natürlich: wir wollen gewinnen!
Genauso hatte Trainer Thorben Wegener seine Jungs auch eingestellt. Akribisch wie immer war seine Video-Analyse der gegnerischen Spiele und die für die taktische Spielweise daraus entwickelten Schlussfolgerungen. Im Unterschied zur Hinrunde – und um seine Jungs stärker einzubinden – hatte Thorben entschieden, bei diesem und den folgenden vier Spielen jeweils zwei bis drei seiner Spieler in Analyse und Empfehlung mit einzubinden – fürwahr ein cleverer Schachzug eines erfahrenen Trainers!
In der ersten Halbzeit war das Spiel von der beiderseitigen Taktik geprägt, den jeweils anderen kommen zu lassen und auf dessen Fehler zu lauern. Die beiden ersten Strafecken auf jeder Seite brachten die ersten Tore, wobei sich Moritz Butt als Vollstrecker auf Seiten des HTC auszeichnete. In der 16. Minute erzielte Henrik Ziemssen, der kurzfristig für den erkrankten Jan-Philipp Pätzmann einspringen musste, das 2:1 für den HTC; und als nach einem Zuspiel von Franz Meier erneut Henrik zum 3:1 kurz vor der Pause erhöhen konnte, schien der HTC auf der gewohnten Erfolgsspur zu sein.
Den Dämpfer gab es dann in der 42. Minute durch das Anschlusstor der HGN zum 2:3, nachdem die Franken zuvor einen 7m verschossen hatten; aber unser Tor-Garant Anton Boomes stellte auf Zuspiel von Max Keller schon eine Minute später mit seinem Tor zum 4:2 den alten Abstand wieder her. Till Ziemssen (46. Minute) mit einem Strafecken-Ableger und erneut Anton (49. Minute) konnten die Führung dann auch noch schnell auf 6:2 ausbauen. Auch ein weiterer verschossener 7m ließ die HGN zunächst nicht weiter herankommen; in dieser Phase zeichnete sich Torwart Max Jolk besonders aus, weil er mit schneller Reflexen und gekonntem Stellungsspiel die Hausherren schier zur Verzweiflung brachte. Erst als sie dann kurz vor Schluss den Torwart zugunsten eines weiteren Feldspielers auswechselten, geriet die Kickers-Ordnung in Anbetracht des sicheren Sieges ein wenig durcheinander, so dass die HGN noch durch zwei Strafecken-Tore in den Schlussminuten zum 6:4 Endstand ein bisschen Ergebnis-Kosmetik betreiben konnten.
In seiner Spiel-Analyse „adelte“ HGN-Coach Matthias Schmeiser unsere Jungs: „Gegen jede andere Mannschaft hätte sein Team mit der heutigen Leistung wahrscheinlich etwas erreicht; nicht aber gegen diese Kickers. Die machen eben weniger Fehler als andere, spielen nicht spektakulär, aber eben enorm diszipliniert“.
Wegen der Bedeutung des Sonntagsspiels gegen den unmittelbaren Verfolger TG Frankenthal in eigener Halle hatte unsere Geschäftsführerin Katharina Ries sich in einem ihrer flammenden Apelle noch vor dem Wochenende an die Mitglieder gewandt, doch möglichst zahlreich die eigene Mannschaft zu unterstützen: ca. 450 Fans sind ihrem Aufruf gefolgt; gefühlt war die Halle total „ausverkauft“: was für eine Stimmung, die dann auch noch von unserem Alt-Mitglied und „gelerntem Stadionsprecher“ Martin Baumgart zusätzlich angeheizt wurde und der auch die Freizeit-Hockey-Gruppe um Holger Pfeifle durch ihre Unterstützung am Zeitnehmertisch einen würdigen Rahmen gab.
Nach dem Sieg gegen die HGN war klar, dass für das sonntägliche Spiel die Devise nur lauten konnte: gewinnen und damit weiter vom Unmöglichen träumen! Und natürlich war auch hier wieder die Analyse des Gegners Ausgangspunkt für die Spiel-Strategie: die TGF muss mehr tun für einen Sieg als der HTC. Entsprechend war Konzentration, Disziplin und Athletik in jeder Phase des Spiels gefordert. Und so gingen Thorbens Jungs – in die Halle geschickt mit einem flammenden Appell an ihre Stärken von Co-Trainer Eike Suchner – auch von Beginn an sehr behutsam zu Werk. Wenn auch durch einen schnellen Vorstoß von Max bereits die 1:0 Führung in der 1. Minute herausgearbeitet werden konnte, der dann Anton in der 9. Minute sogar das 2:0 folgen ließ, gestatteten die Hausherren den Gästen aus der Pfalz die optische Überlegenheit: mehr Ballbesitz, mehr Kombination in der eigenen Hälfte, aber eigentlich keine zwingenden Torchancen. Und was dennoch in Richtung Kickers-Tor flog, wurde eine sichere Beute des erneut grandios haltenden „Jolle“ Jolk. Und wenn mit dem Pausenpfiff die TGF sich auch auf 1:2 heranspielte, so gab es keinen Anlass für Aufregung.
Sofort nach Wiederbeginn war es Anton, der den alten Abstand wiederherstellte, wenngleich dem noch in derselben Minute der erneute Anschlusstreffer der Gäste zum 2:3 folgte. Es sollte das letzte Tor der Pfälzer gewesen sein. Butti mit einer Strafecke in der 42. Minute, Franz Boomes in der 50. Minute, Nico Riemann in der  54. Minute und schließlich erneut Anton in der 59. Minute waren die Torschützen für den HTC zum Endstand von 7:2, den die Gäste auch nicht verbessern konnten, obwohl sie in den letzten 10 Minuten mit 6 Feldspielern agierten.
„Wir waren einmal mehr sehr konstant, haben wenig Fehler gemacht und deshalb wenig nach hinten zugelassen. Und unsere Torhüter sind einfach stark“ resümierte Thorben nach diesem erfolgreichen Auftritt. „Es war ein geiles Spiel, wenn auch am Ende ein paar Tore zu hoch“.
Nach einem weiteren Wochenende mit zwei Siegen und somit 6 Punkten behaupten die 1. Herren in der Halle natürlich nach wie vor die Tabellenspitze der Süd-Gruppe der 2. Bundesliga; und nachdem sich die beiden Verfolger Frankenthal und Limburg zudem noch gegenseitig die Punkte abgenommen haben, ist der Vorsprung mittlerweile auf 8 Punkte angewachsen. Bei drei noch ausstehenden Spielen fehlt eigentlich nur noch ein Sieg oder zwei Unentschieden, um in einem Durchmarsch von der Regionalliga den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt zu machen. Die schwierigste Aufgabe von Thorben wird sein, in der vor ihm liegenden Trainingswoche das Momentum bei seinen Jungs hoch zu halten und jedweden Übermut im Keim zu ersticken. Bei einem vergleichbaren Auftritt am kommenden Samstag um 16.00 Uhr in der eigenen Halle und vor einer ähnlich begeistert mitgehenden Kulisse gegen Schlusslicht Dürkheimer HC könnte man das jetzt weit aufstehende Tor zur 1. Bundesliga tatsächlich durchschreiten. Was wäre das für eine Saison!

Aber nicht nur die 1. Herren können unmöglich Erscheinendes erreichen; auch unsere 1. Damen haben nach dem Sieg in Bietigheim am vergangenen Samstag noch alle Möglichkeiten, den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga aus eigener Kraft zu schaffen. Bei ihren beiden Heimspielen am kommenden Wochenende können unsere Mädels davon ausgehen, dass unsere Jungs sie tatkräftig von der Bande aus unterstützen werden.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
Filderstadt, den 15. Januar 2018