Derby gegen HCL – verloren!

Derby gegen HCL – verloren!

An einem herrlichen Frühsommertag bei milden 25 Grad mit der vermeintlich stärksten Mannschaft angereist waren Thorben Wegener und seine Jungs eigentlich entschlossen, dem Hinrunden-Sieg aus dem vergangenen Herbst im „schwäbischen“ Derby mit dem HC Ludwigsburg noch einen weiteren Sieg hinzuzufügen, um damit das Abstiegsgespenst vielleicht schon endgültig zu verbannen. Wir alle wissen: es kam anders!
Und die Widrigkeiten begannen schon vor dem Spiel. Eigentlich wollte der Trainer vor diesem wichtigen Spiel die Besprechung noch in gewohnter Umgebung auf der eigenen Anlage durchführen. Logistische Gründe in der Anreise zwangen dazu, diesen Vorsatz kurzfristig zu ändern und mit der Besprechung in die – zwar neue, aber eben doch nicht so zweckmäßige – Umkleide des HCL auszuweichen. Aus unerklärbaren Gründen fiel dann auch noch die mitgebrachte Technik teilweise aus, so dass Thorben seinen Matchplan nicht wie gewohnt „an die Wand werfen“ konnte, sondern alles mündlich und an der Tafel erläutern musste, was dann offensichtlich bei den mehr visuell ausgerichteten Spielern nicht alles angekommen ist, wie sich später auf dem Spielfeld zeigen sollte. Und als dann noch kurz vor dem Anpfiff unser Schusskreis von der Regie „unter Wasser gesetzt“ wurde, so dass das zu diesem Zeitpunkt gewöhnlich fällige Üben der Strafecken nicht bzw. nur sehr bedingt möglich war, schien das Maß an Unzulänglichkeiten und Pech mehr als erreicht zu sein.
Und dabei waren die Kickers-Fans zu diesem Spiel in nicht erwarteter Mannschaftsstärke erschienen. Nein, es waren nicht nur Eltern, Großeltern, Geschwister und Freundinnen der Spieler anwesend; natürlich waren die meisten der nicht-nominierten Kaderspieler mit zum HCL gefahren; viele Spieler der 2. Herren wurden ebenso gesichtet wie einige Jugendliche und stets gern gesehene Senioren. Es war also eigentlich alles angerichtet für ein großes Spiel, zumal natürlich auch der HCL seine Fans für das Spiel gegen den Nachbarn aus der Landeshauptstadt in großer Zahl motivieren konnte.
Geleitet wurde die Partie von Natalie Giannouli aus Frankfurt und Andreas Laßmann aus Heidelberg, an denen es sicherlich nicht gelegen hat, dass die Kickers ihren Matchplan nicht erfolgreich umsetzen konnten.
Beide Mannschaften starteten aggressiv in das Spiel mit dem besseren Ende für den HTC. Bereits in der 2. Minute markierte Paul Singh mit seinen Schuss auf das HCL-Tor, der noch von einem HCL‘er unhaltbar für seinen HCL-Keeper abgefälscht wurde, die Führung für die Gäste. Es war sein 11. Saisontor, und es hieß 1:0 für den HTC, und mancher dachte wohl an und hoffte auf das Hinspiel, in dem Paul auch das erste HTC-Tor markierte und diesem noch zwei weitere folgen ließ. Als dann in der 5. Minute eine Strafecke auf der Torlinie nur mit dem Fuß abgewehrt werden konnte, und der Schiri zurecht auf den 7m-Punkt zeigte, schwante dem HCL-Trainer Daniel Weißer schon Böses. Aber an diesem Tag ging so manches schief, womit man nicht unbedingt rechnen konnte: Anton Boomes – stets unser sicherer 7m-Schütze – verzog den Ball weit über die Latte. „Dank an Anton für den Fehlschuss“ äußerte sich Trainer Weißer später gegenüber der Presse; er sah in der verschenkten 2:0 Führung für den HTC eine vertane Chance, Sicherheit in ihr eigenes Spiel zu bringen und ihr Konzept in einem Lauern auf Kontermöglichkeiten zu sehen, denn der HCL hätte ja jetzt kommen müssen. Und dem HCL gelang es auch eine Minute später, mit dem erfolgreichen Abschluss der zweiten Strafecke den 1:1 Ausgleich zu erzielen.
Obwohl bis zum Ende der ersten Halbzeit keine weiteren Tore fielen, kamen die Hausherren immer stärker in die Offensive, ohne wirklich zwingende Chancen herausgearbeitet zu haben. Auffällig war beim HTC, dass man vornehmlich durch eigene Unzulänglichkeiten dem HCL die Initiative überlassen musste; gerade beim Spiel aus der Abwehr heraus wurde der Ball zu oft „abgeliefert“.
Durch die Verwandlung einer weiteren Strafecke in der 32. Minute ging der HCL erstmals in diesem Spiel in Führung. Zwar konnte Anton mit seinem 8. Saisontor in der 37. Minute noch einmal auf 2:2 ausgleichen, doch die erneute Führung des HCL zum 3:2 zu Ende des dritten Viertels wirkte so etwas wie ein „Schlag ins Gesicht zur Unzeit“.
Es war im abschließenden vierten Viertel unverkennbar, dass der jetzt eigentlich notwendige Ruck durch die HTC-Mannschaft einfach nicht kommen wollte; das Aufbäumen blieb einfach aus; dem wie stets robust, schnell und druckvoll spielenden HCL hatten Thorbens Jungs am heutigen Tage nichts entgegenzusetzen. Dem Versuch von Thorben, dem Spiel durch Herausnahme des Torwarts noch einmal eine Wende zu geben, vereitelte die Mannschaft dann selbst durch zwei unnötige Zeitstrafen, die die vermeintliche Überzahl auf dem Feld sogar in eine Unterzahl verwandelte. Da aber auch der HCL einen Spieler „abstellen“ musste, fielen in den letzten zwei Spielminuten noch drei Tore; zunächst ging der HCL in der 59. Minute eigentlich uneinholbar mit 4:2 in Führung, welche klare Führung Moritz Butt durch die Verwandlung einer Strafecke auf 3:4 verkürzte, bevor mit dem Schlusspfiff der HCL zum 5:3 in das verwaiste HTC-Gehäuse vollendete. Insgesamt hat der HCL verdient gewonnen, weil er an diesem Tag besser eingestellt war als ein ungewohnt passives und ungeordnetes HTC-Team.
Natürlich sah man nach dem Spiel beim HTC nur „hängende Köpfe“; angefangen vom Präsidenten bis hinunter zum letzten mitgereisten Fan, bei denen wir uns aber trotz der Niederlage für ihr Mitkommen bedanken möchten, haben wir eine in allen Mannschaftsteilen schwache HTC-Mannschaft gesehen, in der an diesem Tag fast keiner sein individuelles Können abgerufen hat noch die Mannschaft als Kollektiv den Charakter gezeigt hat, den man erwarten muss, wenn das Abstiegsgespenst noch nicht endgültig vertrieben ist. Und so wundert es nicht, dass Thorben für die beiden spielfreien Wochen um Pfingsten einen erhöhten Einsatz fordert, um sich optimal vorzubereiten für die beiden nächsten schweren Spiele am 26. und 27. Mai gegen die in der Tabelle hinter uns liegenden Mannschaften aus Limburg und Frankenthal.
Das Derby gegen den HCL sollte man möglichst schnell abhaken und „aus den Köpfen kriegen“. Die Mannschaft steht nach wie vor auf dem 5. Tabellenplatz mit einem auch immer noch positiven Torverhältnis. Geht man davon aus, dass in dieser Saison wahrscheinlich drei Mannschaften absteigen müssen, haben wir noch immer vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz; wie schnell ein vermeintlicher Vorsprung sich aber minimiert, haben wir am vergangenen Samstag erleben müssen!

Dr. Albert-Hugo Stinnes
14. Mai 2018