Ein „verpatztes“ 1. Derby in der Saison

Ein „verpatztes“ 1. Derby in der Saison

Unsere 1. Herren hatten sich soviel vorgenommen für dieses erste Heimspiel der Saison 2018/2019, waren bestens eingestellt von ihrem Trainer Thorben Wegener und wollten nach der guten Leistung in der Vorwoche in Mannheim unbedingt den ersten Sieg im Derby gegen den HC Ludwigsburg auf eigener Anlage im Breuninger Hockeypark. Etwa 250 Zuschauer – davon allerdings auch einige der Gastmannschaft – taten bei sonnigem Spätsommerwetter das ihrige, um ihrer Mannschaft auch die die notwenige Unterstützung zuteilwerden zu lassen.

Und so begannen unsere Jungs – auf 3 Positionen gegenüber dem Spiel in Mannheim verändert – das erste Viertel auch konzentriert und schwungvoll, was zu einigem Druck auf den Ludwigsburger Kreis und damit einigen Torchancen führte. Dabei musste der HTC aber auch schon bald erkennen, dass mit Tobias Weißer wieder ein Gäste-Keeper zwischen den Pfosten stand, der auch die aussichtsreichsten Chancen der HTC-Stürmer äußerst gekonnt zunichtemachte.

Die sichere Abwehr mit einem überragenden Keeper schien den Gästen zu Beginn des zweiten Viertels mehr „Mut auf Offensive“ zu machen. Sicher im Zuspiel von Mann zu Mann, schnell in der Umsetzung und früh attackierend geriet der HTC-Kreis schon bald in Gefahr. Während die erste HCL- Strafecke noch vom HTC-Pfosten aufgehalten wurde, war es in der 18. Minute dann leider doch soweit: ein gar nicht mal scharf geschossener Ball passierte auf dem Wege zum Tor halbhoch „Freund und Feind“ und konnte auch nicht von unserem Keeper Lars Kleikemper aufgehalten werden, wobei ihm zugute zu halten ist, dass ihm eventuell auch die Sicht auf die Flugbahn genommen war; denn solche Bälle hält er sonst „mit der Kapp“. Der HTC lag aber nun erst einmal mit 0:1 hinten.

Leider war die notwendige „Phase des Aufbäumens“ jetzt aber gepaart mit zu vielen Kommentaren in Richtung der beiden Schiedsrichter. Ja, Schiris machen aus Sicht von Spielern und Zuschauern manchmal auch Fehler oder treffen nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Und wenn diese wie im zweiten Viertel auch wegen unsportlichen Meckerns zu Zeitstrafen und Wechselfehlern führen, so kann davon ausschließlich der Gegner profitieren. Für uns alle – besonders aber natürlich für die handelnden Akteure auf dem Platz – sollte aber die Maxime gelten, dass es wenig bis gar nichts bringt, sich mit Schiris auf Diskussionen einzulassen; auch noch so energische Wortfetzen und Gesten werden die Schiris nicht zur Korrektur ihrer Entscheidungen veranlassen; im Gegenteil riskieren wir eine entstehende Voreingenommenheit, die unser Frustpotential nur unnötig weiter erhöht. Wir sollten uns zu jeder Zeit und bei jeder Entscheidung auf unser Spiel konzentrieren; nur so haben wir eine Chance, das „Ding wieder zu drehen“.

Nachdem bei zahlenmäßiger Unterlegenheit des HCL kurz vor Beendigung des zweiten Viertels eine HTC-Strafecke nur von einem gegnerischen Spieler auf der Torlinie korrekt abgewehrt werden konnte, gingen beiden Mannschaften in die Kabine.

Thorben musste in der Pause die richtigen Worte gefunden haben. Konzentriert und motiviert kamen die Jungs zurück aufs Feld und begannen sogleich, wieder das HCL-Tor in Belagerung zu nehmen. Die Bemühungen schienen belohnt zu werden, als die Schiris in der 35. Minute völlig korrekt und vom Gegner auch nicht widersprochen auf den 7m-Punkt zeigten. Routinier Max Wüterich hatte aber leider bei der Ausführung „die Rechnung ohne den Wirt gemacht“; zwischen den Pfosten stand ein heute unüberwindlicher HCL-Keeper, der auch diese todsichere Chance mit einem großartigen Reflex abwehrte – schade, denn verdient wäre der Ausgleich jetzt allemal gewesen! Aber auch sein Gegenüber Lars vereitelte bei der dritten HCL-Ecke mit einer gekonnten Parade, dass unsere Jungs noch weiter zurückgefallen wären.

So blieb es auch im vierten Viertel bei weiteren Versuchen, doch noch den Gleichstand zu erzielen. Sehenswert war dabei die HTC-Ecken-Variante mit Ablage, Hereinrutschen und Stecher, aber eben leider nicht gut genug am heutigen Tage für die HCL-Abwehr. Die Herausnahme des HTC-Torwarts zugunsten eines weiteren Feldspielers in den Schlussminuten führte noch zu einem Pfostenschuss – aber eben auch nicht mehr. Letztlich blieb es bei dem doch ein wenig schmeichelhaften Sieg des HCL.

Thorben sah in seinen Jungs das insgesamt aktivere Team, das wenig HCL-Kreisszenen zuließ, wegen der vorhandenen Abschlussschwäche sich aber für den betriebenen Aufwand letztlich nicht selbst belohnen konnte. „Wenn man keine Tore schießt, kann man auch nicht gewinnen“, waren seine doch ein wenig traurig klingenden Worte.

Ohne Punkte nach zwei Spielen sind wir wie der VfB in die Saison gestartet; möge es ein gutes Omen sein, dass den „Roten“ in ihrem dritten Spiel ein erster Punktgewinn gelungen ist. Für den HTC geht es am kommenden Wochenende zu zwei Spielen nach Berlin. Wir haben eine Woche Zeit, die Fehler des Derby-Wochenendes aufzuarbeiten und die richtigen personellen, strategischen und emotionalen Schlüsse zu ziehen, damit wir nach zwei weiteren Spielen nicht mehr auf einem Abstiegsplatz stehen müssen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes

17. September 2018