Endlich der erste „Dreier“

Endlich der erste „Dreier“

Hinter uns liegt ein verrücktes Wochenende in Berlin. Angefangen hat alles mit einer total verkorksten Hinfahrt mit der Deutschen Bundesbahn; in Hannover fuhr uns der Anschlusszug im wahrsten Sinne des Wortes vor der Nase weg; der nächste Zug hatte da schon eine Stunde Verspätung, so dass wir schlussendlich mit über zwei Stunden Verspätung in der Hauptstadt ankamen. Dass die Jungs erst um 2.15 Uhr im Bett sein konnten, war für die sportliche Herausforderung am nächsten Tag alles andere als zielführend.
Dennoch spulte Trainer Thorben Wegener sein Programm mit der gewohnten Professionalität ab. TuS Lichterfelde war eine lösbare Aufgabe, wenn die Vorgaben von Thorben beherzigt wurden. Und die Jungs taten alles, um seine Ansagen umzusetzen. Konzentriert in der Defensive, mutig in der Vorwärtsbewegung und vor allen Dingen ohne jedweden Kommentar gegenüber den Entscheidungen der Berliner Schiedsrichter.
Mit Cai Fabian setze Thorben erstmals einen seiner jungen Spieler ein, um ihren Trainingsfleiß in der Vorbereitung zu honorieren und Erfahrung für zukünftige Einsätze zu sammeln. Cai hat sich gut integriert und keine spielentscheidenden Fehler gemacht.
Zwar gingen die Gastgeber in der 19. Minute durch eine kurze Ecke mit 1:0 in Führung, ein Schuss, der nur glücklich den Weg in das HTC-Gehäuse fand. Keinesfalls aber brachte der Rückstand unsere Jungs aus dem Rhythmus. Der schon zuvor entwickelte Druck auf das Tor der Gastgeber wurde aufrechterhalten, führte zu gefährlichen Kreisszenen, letztlich auch zu Abschlüssen, von denen einer in der 22. Minute nur regelwidrig abgewehrt werden konnte, so dass die 7m-Entscheidung der Schiris unausweichlich war. Und Anton Boomes verwandelte kaltschnäuzig zum 1:1. Und der HTC-Druck hielt an. Ein wunderbarer Diagonalball von Franz „Eubi“ Boomes aus dem eigenen Viertel heraus kam genau auf Paul Singh, der sofort in den Kreis eindrang und dem gegnerischen Torwart keine Abwehrchance ließ: der HTC führte Sekunden vor dem Halbzeitpfiff mit 2:1.
Statt nach dem Seitenwechsel ruhig und konzentriert weiterzuspielen, stellte sich eine gewisse Aufgeregtheit ein, die dem Gegner ein optisches Übergewicht erlaubte, das auch zu Torchancen führte; eine dieser Chancen nutzen die Berliner in der 43. Minute zum 2:2 Ausgleich. Und als dann im 4. Viertel auch die Kräfte der Kickers nachzulassen schienen, eine Zeitstrafe in der 56. Minute folgte, die Gegner den Torwart herausnahmen, waren unsere Jungs nur noch mit Abwehraufgaben beschäftigt. Eine Strafecke in der 59. Minute führte dann zum 3:2 Endstand aus Sicht der Hausherren.
„Insgesamt“, so konstatierte Dennis Gebhardt, „ein glücklicher Sieg von TuS Lichterfelde; ein Unentschieden oder sogar ein Sieg der Stuttgarter wäre nicht unberechtigt gewesen“. Und wenn man manche zweifelhafte Entscheidung der Schiris zu Ungunsten des HTC mit ins Kalkül zieht, so konnten sich unsere Jungs einfach nicht für die eigentliche sehr ordentliche Leistung belohnen, die sie über 60 Minuten gezeigt haben.
In den folgen den Stunden galt es die unglückliche Niederlage mental zu verdauen und nach der insgesamt durch die Verspätung der Bahn bedingte kurze Nacht Kraft zu sammeln für das nächste wichtige Spiel gegen die Zehlendorfer Wespen am darauf folgenden Tag.
Neben Cai erhielt an diesem Tag auch Fritz Wüterich – ganze 16 Jahre alt – das Vertrauen seines Trainers in seinen Erstligaeinsatz in diesem so wichtigen Spiel; auch mit ihm wird die Garde der nachrückenden jungen Spieler größer und somit auch die Konkurrenz mit den arrivierten Spielern immer stärker. Glückwunsch, Fritz, zu Deinem erfolgreichen Einstand!
Die Geschichte des Wespen-Spiels ist schnell erzählt. Das Spiel machten nur die Hausherren, die von Beginn an enormen Druck auf das HTC-Viertel entwickelten. Doch schon in der 2. Minute zeigten unsere Jungs, wer an diesem Tag die Tore machen wollte. Anton Boomes ging über rechts unwiderstehlich durch und ließ mit seinem abschließenden „Kracher“ dem Wespen-Goalie keine Chance: der HTC führte 1:0. Und eine gelungene HTC-Ecke mit abschließendem Stecher-Versuch wäre beinahe auch erfolgreich abgeschlossen worden! Grundsätzlich aber blieben die Wespen über die gesamte Spieldauer spielbestimmend. Dem stand aber an diesem Tag eine HTC-Abwehr unter der Regie von Eubi gegenüber, die den Berliner zwar Spielanteile, aber keine Abschlussmöglichkeiten gestattete. Und wenn es dann doch zu drei Strafecken in der zweiten Halbzeit kam, s stand mit Max „Jolle“ Jolk ein Mann zwischen den Pfosten, der alles wegfischte, was bedrohlich war. Das wurde auch nicht anders, als die Berliner kurz vor Schluss ihren Torwart herausnahmen. Im Gegenteil: ein Entlastungsangriff in der Schlussminute mit Paul Sing als dem Hauptakteur konnte noch von Max Keller zum 2:0 Endstand erfolgreich abgeschlossen werden.
Der Berliner Coach bemängelte zur Recht die Abschlussschwäche seiner Mannschaft, während Thorben sich über das konsequente Spiel seiner Jungs freuen durfte, die seine Devise erfolgreich umsetzen, aus einer verstärkten Deckung heraus die eigenen Chancen zu suchen.
Die Rückfahrt am Sonntagabend war so frustrierend wie die Hinfahrt; zwar haben wir keine Verbindung verpasst, aber der durchgehende Zug von Berlin nach Stuttgart hatte auch wieder 65 Minuten Verspätung, so dass unsere „Reisegesellschaft“ erst nach Mitternacht wieder in Stuttgart zurück war. Einzig unser Finanz-Vorstand wird sich freuen können, weil wir doch einen erheblichen Teil unseres Aufwandes für die Zugfahrt wegen der „erlittenen“ Verspätungen werden zurückfordern können.
Mit nunmehr 3 Punkten rangieren unsere Jungs auf dem 7. Tabellenplatz – alles andere als befriedigend, aber mit der deutlichen Tendenz nach oben. Am kommenden Wochenende geht es mit einem Umweg über Frankfurt (Samstag) erneut nach Berlin, wo es beim Mariendorfer HC auch wieder Chancen auf weiter Punkte geben sollte.
Dr. Albert-Hugo Stinnes
24. September 2018