HTC-Herren auf dem Weg in die 2. Liga

HTC-Herren auf dem Weg in die 2. Liga

Schon am 2. Januar hatte Trainer Thorben Wegener seine Jungs zu einem schon vor Monaten terminierten letzten Vorbereitungsspiel gegen den HC Ludwigsburg zusammengerufen. Da einige Spieler private Gründe für ihre Abwesenheit geltend machten, war Thorben in diesem letzten Test gezwungen, den Kader noch einmal kräftig neu durchzumischen. Und er schien dabei ein glückliches Händchen gehabt zu haben. Mit Joss Brandenstein, Paul Epple und Henrik Pfeiffer bekamen drei Spieler eine Chance, sich auch für kommende Aufgaben zu empfehlen. Und da die „neuen“ mit den schon erfahrenen Erstliga-Spielern gut harmonierten, konnte der HCL mit 9:5 niedergerungen werden.
Und so lag es nur nahe, dass Thorben dieser neu zusammengestellten Mannschaft für das erste Pflichtspiel des neuen Jahres gegen den TSV Mannheim auch den Vorzug gab vor dem Wieder-Einbau der zum Wochenende einsatzbereiten „bewährten“ Spieler. Auch Thorbens Entscheidung, im Tor in Mannheim auf Lars Kleikemper zu vertrauen, war eine gute Wahl, bewahrte Lars doch während des gesamten Spiels sein Team mit zahlreichen Paraden vor einem noch schlechteren Ergebnis.
Während des gesamten Spiels hielten sich die Jungs an Thorbens Strategie, die mit zahlreichen „Hockey-Künstlern“ gespickten Hausherren erst an der Mittellinie zu erwarten, um so die Räume in der eigenen Hälfte für den Gegner eng zu machen. Wenn die erste Halbzeit aus Sicht der Kickers auch nur mit 2:5 endete, so darf dies schon als gutes „Mithalten“ gewertet werden. Bemerkenswert wie die beiden HTC-Tore durch Henrik Pfeiffer (1:1) und Sten Brandenstein (2:3) entstanden: sowohl Henrik als auch Sten unterbrachen gekonnt ein Zuspiel des TSV an der Mittellinie, marschierten zielstrebig in den Schusskreis und überwanden den TSV-Keeper.
In der 2. Halbzeit setzte sich dann die individuelle Spielstärke der Hausherren durch: schnell, passgenau, stark in der Kombination, manchmal auch körperbetont, auf Fehler des HTC lauernd. Diese Eigenschaften zeichnen eine Spitzenmannschaft aus und zermürben jeden Gegner über die gesamte Spielzeit. Wenn unsere Jungs am Ende auch mit 3:13 geschlagen vom Platz gehen mussten, so wurde ihnen – auch von Mannheimer Zuschauern – dennoch bescheinigt, dass sie phasenweise gut mitgespielt hätten und dass das Ergebnis weit klarer ausgefallen ist, als dem Spielverlauf entsprach. Aber ein Spiel dauert eben 60 Minuten, in denen mangelnde Kondition, spieltechnische Defizite und individuelle Fehler von einer Klassemannschaft wie dem TSV gnadenlos ausgenutzt werden.
Tags darauf schon wieder Mannheim: dieses Mal aber der Mannheimer HC und dazu noch in der eigenen Halle. Trotz des miesen Wetters waren ca. 300 Zuschauer in unsere Hockeyhalle gekommen, die angetrieben von unserem Hallensprecher Martin Baumgardt unsere Jungs lautstark unterstützen sollten. Und Thorben hatte seine Mannschaft gegenüber dem Vortag nicht verändert, lediglich Max „Jolle“ Jolk stand im Tor – auch dies ein Beweis, dass seine Jungs es im Samstagsspiel nicht viel besser hätten machen können.
Der MHC war mit den beiden Kickers-„Gewächsen“ Paul Zmyslony und Timm Haase auf die Hohe Eiche gekommen, die es natürlich vielen ihrer alten HTC-Freunde zeigen wollten, was sie in der „Fremde“ gelernt hatten. Und zweifellos gehörten beide zu den absoluten Aktivposten des MHC und folgerichtig natürlich auch für einen Großteil der MHC-Tore verantwortlich. In der 1. Halbzeit konnten Thorbens Jungs noch gut mithalten; nach einem früher 0.2 Rückstand entsprach ein 2:2 zur Halbzeit durch Tore von Max Keller und Sten sicherlich nicht den Vorstellungen der Mannheimer „Bank“. Und mit etwas mehr Glück im Abschluss hätte der HTC auch in Führung liegen können.
Nach dem Wechsel aber war es Timm Haase, der mit einem Doppelpack in der Mitte der Halbzeit den MHC mit 5:2 endgültig auf die Siegerstraße brachte. Am Ende hieß es nach einem weiteren Tor von Sten letztlich 7:3 für den MHC, was dann auch endgültig den Abstieg für unsere Jungs bedeutete. Dennoch war Thorben nicht vollkommen unzufrieden: „Wir haben einmal mehr gut gekämpft und standen lange defensiv stabil. Aber wie so häufig in dieser Saison sind die anderen Mannschaften einfach abgeklärter und konsequenter im Abschluss. Trotz des Abstiegs war es eine schöne Saison mit vielen tollen Spielen.“
Bereits eine Woche vor Saisonabschluss ist also das sich schon zum Jahresende abzeichnende eingetreten: nach einem Jahr Zugehörigkeit zum Oberhaus müssen die HTC-Herren den Weg in die 2. Hallen-Bundesliga antreten. Ohne bis dato einen einzigen Punkt auf der Habenseite des Punktekontos kann der Abstieg in den abschließenden zwei Spielen in eigener Halle gegen den Nürnberger HTC und den SC Frankfurt 80 am kommenden Wochenende nicht mehr verhindert werden.
Wenn wir jetzt auch in der Halle wieder den bitteren Weg nach unten antreten müssen, so gilt es bis zur nächsten Hallensaison im Herbst 2019 unverzüglich die Erkenntnisse aus der Zugehörigkeit zur 1. Liga auszuwerten und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, was in der Zukunft für die Sportart „Hallen-Hockey“ zu tun ist. Und prädestiniert für diese Analyse ist natürlich in vorderster Front Trainer Thorben Wegener mit seinem Co-Trainer Eike Suchner, aber auch mit unserem Athletik-Trainer Claus Wagner.
Sicherlich waren unsere Erwartungen für die Hallensaison nicht hochgesteckt, kamen wir doch „im Durchmarsch“ aus der Regionalliga gleich in die 1. Liga. Wir wollten lernen, wir wollten uns im Laufe der Saison verbessern, und wir wollten auch Spaß haben. Und wenn wir etwas gelernt haben, so ist es, dass unsere Gegner konditionell stärker sind als wir – Hallen-Hockey bedingt eine andere physische Einstellung als Feld-Hockey und mehr davon in 60 Minuten –, dass sie über eine ausgereiftere Spielfertigkeit und ein besser einstudiertes Zusammenspiel verfügen als wir, dass sie meist auch aggressiver als wir auftreten, vor allem aber dass sie weniger Fehler machen als wir. Trotz der teilweise deftigen Niederlagen haben wir uns in den vergangenen acht Spielen aber weiterentwickelt, wenn es auch noch nicht dazu gereicht hat, Punkte zu sammeln. Und keinem von uns ist in den vergangenen Monaten der Spaß als eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg vergangen; wir haben uns immer wieder aufgerappelt und uns auch an den positiven Momenten freuen können. Und wenn wir auf diesem Wege weitermachen, und Einsatz, Zusammenhalt, Bereitschaft, Mut, Selbstvertrauen und eine positive Stimmung zeigen, dann wird man uns auch zukünftig wieder in der 1. Bundesliga antreffen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
07. Januar 2019