HTC-Herren mit schmerzhaften Niederlagen

HTC-Herren mit schmerzhaften Niederlagen

Nach dem trotz der beiden knappen Niederlagen verheißungsvollen Auftakt in der 1. Hallen-Bundesliga war das Ziel, die gezeigte Leistung beim ersten Auswärts-Doppel-Wochenende erneut abzurufen und möglichst gegen den Mannheimer HC und beim Münchner SC bereits die ersten Punkte zu erarbeiten. Jedoch es sollte sich zeigen, dass der Anspruch noch ein ganzes Stück über den Möglichkeiten rangiert.
Im Samstagsspiel in der Kurpfalz erwischte der MHC einen „Sahnetag“ und der HTC einen „rabenschwarzen Tag“; der Vergleich „zwischen Koch und Kellner“ war naheliegend nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch von der Einstellung während des gesamten Spielverlaufs. Hier spielte eine routinierte Hallenmannschaft gegen einen zögerlichen Aufsteiger. Hier glückte dem Gastgeber fast alles und den Gästen nicht wirklich viel. Natürlich spielt man immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt, aber auch ein in Topform befindlicher HTC wäre höchstwahrscheinlich in Mannheim nicht als Sieger von Platz gegangen, so groß waren die Unterschiede in der Qualität der einzelnen Spieler wie im Auftreten der Spieler-Kollektive.
Trainer Thorben Wegener hatte seine stärkste Truppe in die Irma-Röchling-Halle geschickt, in der lediglich Nicolas Riemann wegen seines juristischen Examens an diesem Wochenende eine Auszeit bekommen hatte; für ihn rückte Lucca Epple ins Team, der seine Sache insgesamt aber nicht schlecht gemacht hat.
Es dauerte keine fünf Minuten, bevor die Mannheimer den Torreigen eröffneten. In schöner Regelmäßigkeit musste der zu bedauernde Lars Kleikemper bis zur Pause 7mal den Ball aus dem eigenen Netz holen; und nicht einmal eine verwandelte Strafecke war dabei. Es waren alles teilweise wunderschön herausgespielte Tore der Hausherren – sicherlich auch manches Mal mit freundschaftlicher Unterstützung der Gäste. Ein Querpass wurde in den Schläger des Gegners gespielt und blitzschnell war man in dem Tempogegenstoß in der Unterzahl; man ließ sich im Zweikampf den Ball abnehmen und versäumte entschieden nachzusetzen; man wurde auf der rechten Bande überlaufen, so dass die Verwandlung der nach innen gegebenen Ablage nur noch eine Kleinigkeit war. Im Grunde war das Spiel nach 30 Minuten beim Stand von 0:7 aus Sicht unserer Jungs schon gelaufen.
In der Pause wurde es laut in der Kabine des HTC. Thorben bemängelte zu Recht das Festhalten an die vor dem Spiel getroffenen Absprachen und kritisierte die Einstellung fast eines jeden im heutigen Team. Für die 2. Halbzeit verlangte er die Bereitschaft eines bedingungslosen Einsatzes, weil wir alle keine Interesse daran haben können, hier „aus der Halle herausgeschossen“ zu werden.
Allein es nützte nicht viel! Bis auf 10:0 zogen die Mannheimer davon, ehe es Anton Boomes gelang, für den HTC das erste Tor zu erzielen. Auch das zwischenzeitlich zweite HTC-Tor durch Max Keller war reine „Ergebniskosmetik“; mit letztlich 2:15 bezogen Thorbens Jungs ihre höchste Niederlage seit langer, langer Zeit und mussten erkennen, dass der Weg, gegen einen Titel-Aspiranten mithalten zu können, noch recht weit ist. „Wir haben phasenweise gut mitgespielt“, war das Fazit von Thorben am Ende des Spiels, „aber dabei unsere Tore nicht gemacht, sondern sind im Gegenzug immer sofort für kleine Fehler bestraft worden. Gefühlt war beim MHC jeder Schuss ein Treffer“. Gegen den MHC darf man verlieren, aber nicht so und nicht mit dieser Einstellung!
Am Sonntag war der HTC zum Rückspiel in München; gegen den Münchner SC hatte man vor einer Woche in heimischer Halle eine gute Leistung geboten, so dass man mit der Erwartung in die bayerische Hauptstadt gefahren war, es jetzt noch besser zu machen und die ersten Punkte zu machen. Aber war die unzureichende Leistung des MHC-Spiels vom Vortag aus den Köpfen der Akteure verschwunden? Thorben hat alles getan, um ausgleichend und motivierend zu wirken und auch sein Team nur auf zwei Positionen umgestellt: anstelle von Lars spielte Max „Jolle“ Jolk im Tor, und Johannes Auch spielte anstelle von Jonas Flöter in der Abwehr.
Und der HTC begann so, wie Thorben es erhofft hatte: konzentriert, engagiert und mutig; in der ersten Viertelstunde hatten unsere Jungs nicht nur spielerische Vorteile, sondern mit 2 Strafecken und einem 7m auch deutlich mehr Chancen; allein Tore wollten wieder nicht fallen! Und so dauerte es bis zur 24. Minute, bis der MSC – bei HTC-Unterzahl – mit 1:0 in Führung ging: ein unglückliches Tor, weil ein als Flanke gedachter Schuss unglücklich von einem HTC´ler ins eigene Tor abgefälscht wurde. Und auch beim 0:2 haben die Jungs wieder „mitgewirkt“; eine Schiri-Entscheidung am MSC-Kreis, die vielleicht strittig war, führte der Gegner blitzschnell aus, während wir noch mit dem Pfiff haderten und so die eigene Defensive unnötig schwächten. Doch als dann Anton nur eine Minute später das 1:2 markierte, keimt wieder Hoffnung auf. Mit einem Doppelschlag kurz vor der Halbzeit – exakt in gleicher Weise „abgespielt“ – brachte sich der MSC doch wohl endgültig auf die Siegerstraße.
In der zweiten Halbzeit demonstrierten die Hausherren ein uns andere Mal, welche Folgen es hat, wenn man unclever, unkonzentriert und nicht energisch genug verteidigt; diese Schwächen müssen abgestellt werden, will man gegen die Mit-Konkurrenten Chancen auf Punkte haben. Erst beim Stande vom 1:9 und erst in der letzten Minute konnte Kapitän „Ötti“ Pätzmann eine Strafecke zum deprimierenden Endstand von 2:9 verwandeln. Verständlich, dass Thorben in seiner Analyse des Spiels kritischer war als sein Münchner Kollege: „Im Endeffekt spielen wir wieder gut mit und bekommen durch einfache Fehler die Gegentore: Am Ende geht die Niederlage in Ordnung, auch wenn sie etwas zu hoch ausfällt“.
Für den HTC gibt es in der kommenden Woche viel zu tun vor dem abschließenden Doppel-Wochenende dieses Jahres in Nürnberg und Frankfurt. Wenn es nicht gelingt, die „einfachen“ Fehler abzustellen und sich das hohe Tempo und die enorme Passgenauigkeit der 1. Liga „zu erarbeiten“, wird es am Ende schwer werden, die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt zu erspielen. Viele Gelegenheiten bleiben uns nicht mehr!

Dr. Albert-Hugo Stinnes
10. Dezember 2018