Nüchternheit ist eingekehrt

Nüchternheit ist eingekehrt

Nach Verabschiedung des Spielplans der Feld-Hinrunde Anfang Juli schien alles so einfach: Optimisten waren der Auffassung, dass der HTC nach drei Spieltagen 9 Punkte auf dem Konto haben könnte, spielten wir doch zunächst gegen die beiden Aufsteiger und dann gegen den Verein, der im Frühjahr noch näher am Abstieg war als wir; Pessimisten hingegen warnten, je näher der Saisonstart kam, vor fehlenden oder noch verletzten Spielern, die unsere Schlagkraft mindern würden.
Und die Realisten wie unser Trainer Thorben Wegener bezeichneten einen Saisonstart mit 5 bis 6 Punkten nach drei Spieltagen als eine zufriedenstellende Variante. Und genau das wäre auch möglich gewesen!
Aber der Reihe nach! Den Grundstock mit 3 Punkten hatten die Herren in Dürkheim gelegt und zudem mit einem Torverhältnis, der zusätzlich 1 Punkt wert sein kann. Diese an sich positive Ausgangslage konnte Thorben aber nicht davon abhalten, seine Jungs auf die Gefährlichkeit des SC Charlottenburg – den Gegner vom Samstag – zu warnen und sie entsprechend darauf einzustellen. Die Berliner würden keinen Ball aufgeben, immer hart am Mann sein und bis zur letzten Minute kämpfen.
Und genau so kam es dann auch. Erstmal wieder mit Franz Boomes – unserem Kanada-Rückkehrer – aber immer noch ohne die verletzten Robo und Wüte stellten wir uns dem Gegner aus der Hauptstadt zu einem offenen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Bis weit in die zweite Spielhälfte hinein war es ein ausgeglichenes Spiel mit aber nur ganz wenigen echten Torchancen; nur jeweils eine Strafecke auf beiden Seiten, die Berliner Ecke wurde von Johannes gekonnt abgelaufen.
Im letzten Viertel verstärkten die Hausherren ihren Druck auf das Berliner Tor. Ein abgefangener Ball führte dann zu einem überraschenden Kontertor, so dass die Kickers plötzlich auf eigener Scholle mit dem Rücken an der Wand standen. Mit aller Macht wollten die Jungs den Ausgleich. Fünf Strafecken waren die Folge ihrer intensiven Angriffsbemühungen, von denen die letzte in der 56. Minute den letztlich doch verdienten Ausgleich durch Kapitän Lukas brachte.
Thorben sah ein insgesamt wenig hochklassiges Spiel mit einer gerechten Punkteteilung.
Am folgenden Sonntag waren es dann die Zehlendorfer Wespen – inzwischen durch einen 4:0 Sieg am Samstag in Ludwigsburg neuer Tabellenführer –, die ihren Antrittsbesuch auf der Hohen Eiche machten. Natürlich waren die Jungs gewarnt, versteckten sich aber keineswegs vor dem Gegner. In der ersten Spielhälfte sah Thorben in den Berlinern noch das etwas griffigere Team, das in der 18. Minute durch ihren aufgerückten Innenverteidiger zur 1:0 Pausenführung kam. Als dann in der 41. Minute auch noch das 2:0 fiel (aus Berliner Sicht), schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen.
Aber die Jungs von der Hohen Eiche bissen sich ins Spiel zurück, erarbeiteten sich zahlreiche Chancen und kamen durch Antons sehenswerten Schlenzer aus ganz spitzen Winkel schon in der 43. Minute zum Anschlusstreffer. Wie schon am Vortag gehörte das letzte Viertel eindeutig den Kickers, die nicht nur einen Pfostenschuss zu verzeichnen hatten, sondern bei zahlreichen weiteren Chancen an dem glänzend disponierten Berliner Keeper scheiterten. Die Chancenverwertung muss einfach noch besser werden.
Es blieb letztlich beim 1:2 und einem leicht frustrierten Kickers-Coach. „Bei den beiden Gegentoren pennen wir, und ansonsten werden wir für unseren großen Aufwand einfach nicht belohnt“. Nach Abschluss dieses Doppel-Wochenendes sind die Kickers mit 4 Punkten und einem immer noch soliden Torverhältnis auf den 4. Tabellenplatz zurückgefallen. Unbedingte Wachsamkeit aber wird angesagt sein, will man nicht schon bald wieder in der unteren Tabellenhälfte „Platz nehmen“.
Am kommenden Samstag um 16.00 Uhr kann dazu in „Derby“ mit dem punktegleichen HC Ludwigsburg schon ein großer Schritt getan werden. Allerdings ist es wünschenswert, wenn dazu das Zuschauerinteresse weit größer wäre als am vergangenen Wochenende; jeweils 100 Zuschauer sind dazu einfach zu wenig; der HCL-Block wird uns dann seinerseits zeigen, wie man seine Mannschaft in einem so wichtigen Spiel anfeuert.
Und wer schon früher kommen mag, wird Gelegenheit haben, im Rahmen eines 6-Länder-Turniers die Ü55-National-Mannschaften aus Deutschland, Irland, Italien, Österreich, Schweiz und Wales zu „bewundern“. Das Turnier wird vom HTC-Urgestein Horst Ruoss organisiert und sieht auch unseren Präsidenten Dr. Christoph Wüterich sowie Matze Bleyle und Andreas Neef am Start.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
18. September 2017