Sieg und Niederlage in Berlin

Sieg und Niederlage in Berlin

Wenn auch die Vorbereitung unter der Woche durch den Mai-Feiertag und die Abstellung einiger Spieler für ein Spiel der 2. Herren nicht optimal war, so fühlte man sich doch in einer so guten Verfassung, dass man ziemlich sicher war, nicht mit leeren Händen aus der Hauptstadt zurückzukehren; ja einige Optimisten waren sogar überzeugt, dass man mit 6 Punkten die Heimreise würde antreten können, legt man nur den souveränen Auftritt gegen den Dürkheimer HC aus der Vorwoche zugrunde. Und es hätte auch nicht viel gefehlt, und die Jungs von Trainer Thorben Wegener hätten ihm diesen geheimen Wunsch in seiner Heimatstadt auch erfüllt. Wie gut aber, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit die Arbeit – und das Glück – der Spielzeit von 2 mal 60 Minuten liegen.
Nach der wie üblich langen Bahnfahrt mit Ankunft in dem uns schon bekannten Hotel Steglitz International erwachte das Team an einem schönen Frühlingstag bei herrlichstem Hockeywetter; die eigenständige, aber als Team geschlossene Morgenaktivität, ein ausgedehntes Frühstück sowie die wie gewohnt akribische Einstellung auf den Gegner durch Thorben mit abschließender Verkündigung des Matchplanes waren die Vorbereitung auf das erste Spiel an diesem Wochenende gegen den SC Charlottenburg; nichts anderes als ein Sieg gegen den Mit-Konkurrenten um den Ligaerhalt war „eingepreist“; schließlich wollte man solche Teams ja auf Abstand halten.
Thorben hatte sein Team auf einer Position gegenüber dem Dürkheim-Spiel zu verändern; Philipp „Grosso“ Großer konnte wegen einer Fortbildungsmaßnahme nicht dabei sein; dafür war Johannes Auch nach Auskurieren seiner Fußverletzung wieder in der Startaufstellung. Wie vorgegeben engagiert – aber stets kontrolliert und geduldig – ging man von Beginn an zu Werke. Gewarnt waren außerdem alle durch die nur sehr knappe Niederlage unseres Gegners gegen den Aufstiegsaspiranten Blau-Weiß Berlin aus der Vorwoche. Und so wunderte es auch nicht, dass der Gegner im ersten Viertel mehr Ballbesitz hatte, meist jedoch nur in der eigenen Hälfte durch Zuschieben unter den Verteidigern.
Den gelegentlichen Vorstößen der Kickers entsprang dann auch in der 12. Minute die 1:0 Führung; es war eine Gemeinschaftsarbeit unserer „DHC-Youngster“ Moritz Butt und Max Keller. Eine scharfe Flanke von „Butti“ aus der Außenposition konnte „Kello“ mit einem eleganten Heber erfolgreich abschließen. Nachdem der Grundstein gelegt war, wurde der HTC jetzt natürlich mutiger in der Vorwärtsbewegung. Es dauerte aber bis zur 23. Minute, bis der Ball nach einer Strafecke plötzlich im SCC-Schusskreis frei lag und Nicolas Riemann mit seiner „Aggi“ zur Stelle war, um flach zum 2:0 zu vollenden.
Genauso konzentriert und auf die Fehler des Gegners lauernd spielten unsere Jungs auch in der 2. Halbzeit weiter. Kurz vor der letzten Viertel-Pause war es Henrik Pfeiffer, unser Neu-Zugang aus Dürkheim, der mit seinem ersten BuLi-Tor zum 3:0 für den HTC in der 45. Minute wohl endgültig sicherstellte, dass unsere Mannschaft dieses Spiel nicht mehr aus der Hand geben wollte. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der SCC-Trainer jetzt seinen Keeper zugunsten eines weiteren Feldspielers auswechselte und damit alles auf eine Karte setzte, um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Jetzt aber schlug die Stunde von Lucca Epple, unserer gerade aus der eigenen Jugend übernommenen „Allzweck-Waffe“; in diesem Spiel als Stürmer eingesetzt markierte er schon in seinem 2. Spiel bei den Herren sein erstes BuLi-Tor zum 4:0 in der 49. Minute. Der Abschluss zum souveränen 5:0 Endstand im Anschluss an eine Strafecke gelang dann schließlich erneut „Kello“ mit seinem 2. Tor an diesem Tage.
Die Leistung der Mannschaft würdigte SCC-Trainer Sascha Kolletzky in seiner Presse-Info, dass „Stuttgart stark als Team agiert hat; da wusste jeder, was er zu tun hatte; und sie haben die Kombinationen zu den Toren clever zu Ende gespielt.“
Dass das sonntägliche Spiel gegen die Zehlendorfer Wespen – derzeit Tabellendritter unserer Gruppe – ein anderes Spiel werden würde, wurde jedem spätestens bei der morgendlichen Vorbesprechung mit Video-Sequenzen von Spielaufbau und Standard-Situationen vor Augen geführt. Wenngleich wir gegen die Wespen immer gerne gespielt haben, gab es immer enge Spielergebnisse, zuletzt jedoch meist mit dem besseren Ende für die Berliner. Thorben wies in seiner Analyse des gegnerischen Spielaufbaus immer wieder auf die gefährlichen Schlenzer aus der Abwehr heraus hin, die sowohl diagonal als auch in Längsrichtung geeignet sind, eine Abwehrformation in Unordnung zu bringen; so waren insbesondere auch unsere Stürmer gefordert, bei gegnerischen Ballbesitz so nah wie möglich am Mann zu sein, dass diese gefährlichen Schlenzer gar nicht erst angesetzt werden konnten.
Nicht zuletzt wegen der vermehrten Laufarbeit der Stürmer wurde für das Spiel gegen die Wespen Vincent Heller eingewechselt; dafür blieb mit Wolf Wittmund ein Abwehrspieler draußen und wurde Lucca Epple ins Mittelfeld zurückbeordert. Und im Tor bekam Lars Kleikemper den Vorzug vor Maximilian „Jolle“ Jolk, der in den letzten beiden Spielen dafür gesorgt hatte, dass „hinten die Null stand“.
Es war zu Beginn von beiden Seiten das erwartete Abtasten aus einer kontrollierten Defensive heraus, eigentlich kein besonders schönes Spiel, weil die ball-besitzende Mannschaft sich die Bälle in der eigenen Hälfte immer wieder zuschob und darauf wartete, dass der Gegner Räume frei machte, in die man Angriffe nach vorne tragen konnte. Nach torlosem ersten Viertel bot sich zuerst dem HTC eine solche Chance. In eine scharfe Flanke in den Wespen-Kreis hielt Paul Singh in der 22. Minute seinen Schläger und fälschte so den Ball unhaltbar ab für seinen US-amerikanischen Nationalmannschaftskameraden im Tor der Wespen, und der HTC führte mit 1:0.
Es war nicht zu verkennen, dass die Wespen von Beginn der 2. Halbzeit an den Druck auf den HTC mächtig erhöhten; diese Aggressivität beeindruckte unser Team nicht nur nachhaltig, sondern resultierte sofort in den ersten Strafecken des Spiels überhaupt und führte dann auch schon in der 33. Minute zum 1:1 Gleichstand. Trotz einer auch weiterhin bestehenden erkennbaren Überlegenheit der Berliner und weiteren Strafecken behielten unsere Jungs noch die Spielkontrolle in der Hand. Als dann aber die 4. Wespen-Strafecke die 2:1 Führung in der 54. Minute ergab, ging noch einmal ein Ruck und erkennbares Aufbäumen gegen die drohende Niederlage durch das HTC-Team. Thorben nahm den Keeper raus und trieb seine Jungs von der Coachingzone aus bedingungslos auf das Wespen-Tor; diese wiederum stellten sich nur noch hinten rein, erkennend welche „Lawine“ auf sie zurollen würde und den Willen entwickelnd, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Es kam noch zu einer Serie von 5 Strafecken für den HTC in den letzten drei Minuten – doch umsonst: mit Körpereinsatz und Glück vereitelten die Wespen uns den Ausgleichstreffer, wie Wespen-Trainer Bernd Rannoch nach Spielende unumwunden zugab. Dass dabei auch die Schiedsrichter auch einige für uns unverständliche Entscheidungen trafen, sei nur am Rande erwähnt.
Als Fazit dieses Wochenendes in Berlin können wir auf der Habenseite zunächst die 3 Punkte verbuchen; wichtiger aber scheint zu sein, dass die Mannschaft mit jedem Auftritt spielerisch immer mehr zusammenwächst, sich aber auch die Einstellung breit macht, dass jeder für den anderen da sein muss, wenn aus der Summe der Einzelspieler eine Einheit als Mannschaft werden soll. Dieses Fazit macht Mut für die weiteren Spiele – immer noch gegen den Abstieg – und insbesondere auf das „Derby“ am kommenden Samstag um 16.00 Uhr beim HCL in Ludwigsburg. Wir gehen in dieses Spiel als 5. der Tabelle mit 4 Punkten Vorsprung auf den Tabellennachbarn HCL und 7 Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz. Bleibt zu wünschen, dass möglichst viele Fans uns auch durch ihre Anwesenheit in Ludwigsburg unterstützen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
07. Mai 2018