Wir können erneut mit der 2. Liga „liebäugeln“

Wir können erneut mit der 2. Liga „liebäugeln“

Bei schon hochsommerlichen Temperaturen boten unsere beiden Berliner Gäste und die eigene Mannschaft schon ein sehr ansehnliches Hockey – leider bei einer viel zu kleinen Kulisse. Dass im Spiel gegen den Tabellenführer und potentiellen Aufstiegskandidaten Blau-Weiß Berlin unsere Gäste die dominierende Mannschaft sein würden, war nicht anders erwartet worden. „Blau-Weiß hat schon eine sehr gute Spielanlage, aber wir haben dem viel Aufwand und Leidenschaft entgegengesetzt“, diktierte Trainer Thorben Wegener der Presse nach dem Spiel ins Notizbuch.
Bereits in der 10. Minute gingen die Blau-Weißen in Führung; nur noch eine weitere Strafecke erlaubten die Kickers den Gästen in der 1. Halbzeit; ansonsten war es ein Spiel vorwiegend „zwischen den Viertellinien“ und dominiert von zwei starken Abwehrreihen, die nur wenige Kreisszenen zuließen. Und was trotzdem den Weg zum Tor fand, wurde auf Seiten der Kickers eine sichere Ausbeute des an diesem Tage glänzend aufgelegten Keepers Lars Kleikemper.
Kurz nach der Halbzeit (33. Minute) konnte Anton Boomes mit einem strammen Schuss den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 für den HTC erzwingen. Leider hatte diese Situation nicht lange Bestand. Schon drei Minuten später (36. Minute) gingen die Berliner erneut in Führung. Wenn auch die Vorteile des Ballbesitzes eindeutig bei den Gästen lagen, so glichen die Kickers die spielerischen Vorteile durch Kampf und Leidenschaft aus, um sich auf diese Weise ihre Chancen zu erarbeiten. Aus einer solchen Vorwärtsaktion resultierte auch die einzige Strafecke der Hausherren im gesamten Spiel. Und wieder war es Anton, der es fertigbrachte, die Berliner Defensive durch einen angetäuschten Schlenzer, „Seitenzieher“ und anschließendem satten Flachschuss zu überlisten; es stand 10 Minuten vor Schluss 2:2 unentschieden. Würden Thorbens Jungs dem jetzt einsetzenden verstärkten Druck des Tabellenführers noch standhalten können? Denn die Berliner wollten unbedingt gewinnen, um ihre Chancen auch bei einer zu ihren Ungunsten ausgehenden Entscheidung des Protestes ihres Verfolgers SC Frankfurt 80 auf den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga aufrechtzuerhalten. Mit vereinten Kräften und dank einer überragenden Reaktion von Lars bei der Abwehr der letzten Strafecke der Berliner nur 8 Sekunden vor Schluss gelang die Sensation, einen Punkt zu gewinnen, während die Gäste eher zwei Punkte verloren hatten.
Am Sonntag war die Mannschaft von TuS Lichterfelde zu Gast auf der Hohen Eiche, derzeit Tabellendritter, aber am Vortag mit 1:3 beim HC Ludwigsburg „unter die Räder geraten“. Für die Gäste ging es weder nach oben noch nach unten um irgendetwas, für uns aber schon! Mit einem Sieg oder Unentschieden wäre der Abstieg endgültig und aus eigener Kraft abgewendet gewesen, bei einer Niederlage käme es wieder auf die Ergebnisse der anderen Spiele an.
„Das war kein schlechtes Spiel von beiden Seiten“ konnte Thorben der Partie abgewinnen, aber drei kapitale „Böcke“ in der Vorwärtsbewegung haben seine Jungs um den Lohn für einen ansonsten guten Vortrag gebracht. Schon in der 4. Minute stand plötzlich ein Berliner frei vor Max „Jolle“ Jolk – keine Chance für einen noch so guten Torwart und es stand 0:1 aus Sicht der Hausherren. Ein langer Ball von Franz Boomes entlang der rechten Außenbahn fand Bruder Anton, der den noch im Weg stehenden Verteidiger „austrickste“ und auch dem gegnerischen Keeper keine Chance ließ: es stand 1:1. Und so ging es auch in die Halbzeit.
Im 3. Viertel (41. Minute) wieder so ein „Blackout“, der eine Strafecke nach sich zog, die dann im Nachschuss zur erneuten Berliner Führung führte. Aber schon nach wenigen Minuten kehrte wieder Ruhe ein; in einer vielleicht harten Entscheidung wegen einer Rempelei im Schusskreis zeigten die Schiris auf den 7m-Punkt; und wie schon in der Vorwoche gegen Limburg schnappte sich Routinier Max Wüterich den Ball, um dem Berliner Keeper mit seinem scharfen Schlenzer ins linke obere Eck keine Chance zu lassen: es stand 2:2 in der 45. Minute! Und als dann unsere Gäste in der 56. Minute auch das dritte Geschenk dankbar annahmen, war dann nichts mehr mit dem so dringend benötigten einen Punkt aus dieser Partie: TuS Lichterfelde ging als 3:2 Sieger vom Platz. „Schade, Chancen waren genügend da, so dass auch ein Unentschieden nicht unangebracht gewesen wäre“, fand Thorben nach dem Spiel; sein alter Verein war halt auch clever genug, die angebotenen Chancen auszunutzen, weshalb auch deren Sieg in Ordnung geht.
Was bedeutet jetzt dieser „nur“ eine Punkt aus dem Berliner Wochenende? Mit 19 Punkten und einem positiven Torverhältnis von 42:37 stehen wir vor dem abschließenden Spiel gegen SC Frankfurt 80 am 17. Juni nach wie vor auf dem 5. Tabellenplatz. Dürkheim und SC Charlottenburg Berlin sind definitiv abgestiegen. Den 3. Absteiger machen Limburg, Frankenthal, Ludwigsburg und (ein ganz klein bisschen) der HTC unter sich aus. Wenn alles sportlich normal verläuft, kann es uns eigentlich nicht erwischen, weil wir gegenüber den Konkurrenten überall die positive Tor-Differenz haben: Frankenthal + 11, Ludwigsburg + 11, Limburg + 18, d.h. zunächst müssten wir hoch gegen Frankfurt verlieren und dazu der jeweils andere noch hoch gegen seinen finalen Gegner gewinnen. Dabei spielen Limburg und Frankenthal gegeneinander, während Dürkheim Ludwigsburg empfängt. Da jeder von diesen Mannschaften gewinnen muss und will, spricht dies eher für enge Ergebnisse. Und wenn wir erneut mit so viel Engagement und Können spielen wie gegen Blau-Weiß und dazu Paul Singh vielleicht noch aufbieten können, müssen die Hessen uns erst einmal auf eigenem Platz schlagen.
Mein Fazit: da wir in dieser Saison bewiesen haben, dass wir auch gegen gute Mannschaften mithalten können, sind wir auch nach dem 18. Spieltag am 17. Juni auf einem Nicht-Abstiegsplatz und Thorben kann die Saison 2018/2019 erneut in der 2. Bundesliga planen.
Und in eigener Sache sei nachgeschoben: es wird nach dem Frankfurt-Spiel keinen Bericht von mir geben, weil ich mich ab Mitte dieser Woche für einige Wochen verabschieden werde! Vielleicht aber findet sich ja ein anderer „Ghostwriter“.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
04. Juni 2018