Wir sind noch nicht ganz durch!

Wir sind noch nicht ganz durch!

So langsam geht es in die Endrunde, d. h. so langsam müssen die noch notwendigen Punkte „erspielt“ werden, um das Abstiegsgespenst endgültig zu verbannen. Das vergangene Wochenende mit einem Heimspiel und einem Auswärtsspiel gegen in der Tabelle hinter uns platzierten Mannschaften bot dazu ausreichend Gelegenheit und entsprechend hatte Trainer Thorben Wegener sein Jungs – auch mit zusätzlichen Trainingseinheiten in der zweiwöchigen Spielpause über Pfingsten – vorbereitet.
Am Samstag erwarteten wir auf eigener Scholle den Limburger HC, den wir durch sehr disziplinierte Spielweise in der Hinrunde noch mit 2:0 besiegt hatten. Unter ihrem in der Rückrunde neuen Trainer Marcus Gutz hatte der LHC in den bisherigen 5 Spielen bereits 7 Punkte geholt – ein Zähler mehr, als wir bisher zustande gebracht hatten. Wir waren also gewarnt.
Das Spiel begann mit viel Tempo auf beiden Seiten, aber mit mehr Druck in den Kreis durch unser Team. Bereits nach der 1. Strafecke in der 1. Minute konnten die HTC-Fans jubeln, nachdem zwar der Ecken-Schlenzer abgewehrt wurde, dann aber die Kugel irgendwie zu Paul Singh kam, der routiniert zwei Limburger ausspielte und mit einem hohen Schlenzer die 1:0 Führung erzielte. Und die Kickers blieben dran. Schon eine Minute später gab es erneut eine Strafecke für den HTC; diesmal war Moritz „Butti“ Butt zu Stelle, indem er direkt vollstreckte; es hieß 2:0 für den HTC. Wer aber geglaubt hätte, es geht jetzt so weiter, hatte sich geirrt. Nur zwei Minuten später hatten die Gäste aus Hessen ihre 1. Strafecke und schickten ihren Routinier und Super-Torschützen Laurens Meurer an den Kreis, der einschließlich des vergangenen Wochenendes 18 der 33 Limburger Tore erzielt hatte; und er sollte auch jetzt wieder erfolgreich sein. Nach nur vier Spielminuten waren schon 3 Tore durch oder im unmittelbaren Anschluss an Strafecken gefallen, und es hieß nur noch 2: 1 für den HTC. Und als Meurer dann auch noch vor der Halbzeit (26. Minute) durch die Verwandlung der 4. LHC-Strafecke den Ausgleich zum 2:2 erzielen konnte, wurden die Gesichter der Hausherren doch etwas länger; damit hatte man wohl nicht gerechnet.
Und es sollte noch schlimmer kommen. Die Kickers schienen noch gar nicht wieder so richtig auf dem Platz zu sein, als die Gäste mit einem Doppelschlag in der 34. und 35. Minute sich mit zwei Feldtoren eine scheinbar komfortable Führung von 4:2 erarbeitet hatten, wobei HTC-Spieler und Fans mit einem der beiden Schiris haderten, der ein Limburger Fußspiel nicht gesehen haben wollte. Glücklicherweise zeigte die Thorbens Mannschaft jetzt aber Charakter; jeder wusste, was die Stunde geschlagen hatte und was er zu tun hatte, um aus dieser desolaten Situation noch das optimale herauszuholen. Konsequent wurde – wenn auch bei tropischen Temperaturen – jetzt nach vorne gespielt, ohne den Gästen durch ihre stets gefährlichen Konter Möglichkeiten zu weiteren Toren zu eröffnen. Wie gut der HTC jetzt defensiv stand, zeigt auch die Tatsache, dass der LHC in der 2. Halbzeit keine einzige seiner gefährlichen Strafecken mehr zugesprochen bekam. Im Gegenteil: aus einer der insgesamt 9 HTC-Strafecken machte Anton Boomes den 3:4 Anschlusstreffer. Als der HTC in der 50. Minute dann einen 7m zugesprochen bekam, schnappte sich Routinier Max Wüterich den Ball, um mit einem präzisen Schlenzer ins linke Eck dem ansonsten guten LHC-Keeper keine Chance zu lassen. Und mit etwas mehr Glück hätte es noch den großen Jubel auf der Hohen Eiche geben können, doch die „Argentinische“ von Paul traf nur das Außennetz. So blieb es in den torreichen, aber zeitweise hektischen Spiel letztlich bei der Punkteteilung, wobei beide Mannschaften nachher lange debattierte, ob sie einen Punkt gewonnen oder zwei Punkte verloren hatten.
Am Sonntag ging es bei erneut hochsommerlichen Temperaturen in die Pfalz zur TG Frankenthal, die am Vortag in Ludwigsburg drei Punkte ergattert und sich damit auf den 6. Tabellenplatz emporgearbeitet hatten; an stand also ein Spiel der Tabellennachbarn, dessen Sieger sich ein wenig aus der akuten Abstiegsgefahr hätte befreien können.
Thorben musste in diesem Spiel auf seine beiden Top-Scorer Paul und Anton verzichten; Paul war bereits wieder unterwegs zu einem Einsatz mit seiner US-Nationalmannschaft in Mexico und wird uns wahrscheinlich nur noch bei unserem letzten Saisonspiel Mitte Juni gegen Frankfurt 80 zur Verfügung stehen. Und Anton hatte eine Verletzung am Knöchel aus dem Limburg-Spiel, die ihn doch zu sehr darin hinderte, seine läuferischen Qualitäten gewinnbringend einzusetzen; schweren Herzens winkte er nach dem Warmmachen ab, so dass Thorben notgedrungen für dieses Spiel die „defensive Variante“ wählte. Auch schon in seiner Vorbesprechung hatte er einen gänzlich anderen Ansatz gewählt; er verzichtete auf die übliche Herausarbeitung von Stärken und Schwächen der Gegner und wie wir diesen zu begegnen hätten. Thorben erinnerte vielmehr an unseren letzten Auftritt in Frankenthal, zu dem wir als Tabellenletzter und ohne eingespielten Torwart kamen, aber gerade vor diesem Hintergrund den Willen hatten, mehr als die „berühmten 100%“ zu geben, weniger an sich als an die Mannschaftskameraden zu denken, deren Fehler nicht zu kommentieren, sondern sie unverzüglich auszubügeln und bis zum Umfallen zu kämpfen. Wenn auch heute dieser Wille bei jedem einzelnen vorhanden ist, würden wir trotz der notgedrungen defensiven Spielweise auch irgendwann die Gelegenheit zu Toren bekommen und wie im Vorjahr als Sieger vom Platz gehen.
In einer torlosen 1. Halbzeit, in der jede Mannschaft nur eine Strafecke hatte, zeichnete sich der HTC dadurch aus, dass er dem Gegner zwar den Ballbesitz erlaubte, aber bei Eintritt in die eigene Spielhälfte beherzt zugriff, um gefährliche Aktionen im eigenen Kreis zu unterbinden; und was dennoch aufs Tor ging, wurde tapfer und gekonnt von unserem Keeper Lars Kleikemper abgewehrt. Chancen auf eigene Tore hatte der HTC aber auch nicht, und dennoch war Thorbens Taktik aufgegangen.
Natürlich wurde der Druck der Hausherren in der 2. Halbzeit größer. Als TGF-Spieler und Fans in der 38. Minute schon jubelten, weil eine Strafecke verwandelt werden konnte, die Schiris aber diesem Tor die Anerkennung verweigerten, weil der Ball beim Stoppen den Kreis nicht verlassen hatte, schaltete die HTC-Defensive am schnellsten und schickte mit einem platzierten Schlag Philipp „Grosso“ Großer auf den Weg, der es verstand mit all seiner Routine auch noch den TGF-Torwart zu überlisten: es stand in der 38. Minute 1:0 für den HTC. Eine gute viertel Stunde gelang es unseren Jungs, diesen Vorsprung zu verteidigen; erst fünf Minuten vor Schluss mit ihrer 6. Strafecke fiel der Ausgleich zum finalen 1:1 Endstand.
Nach 15 von 18 Spielen rangiert der HTC mit 18 Punkten und einem Torverhältnis von 38:32 immer noch auf dem 5. Tabellenplatz. Aber immer noch sind wir abstiegsgefährdet, zumal wir seit diesem Wochenende auch wissen, dass aus unserer Gruppe drei Mannschaften absteigen werden, weil zwei Südvereine (MSC München + TSV Mannheim) die 1. Bundesliga verlassen müssen. Nach den zwei Punkte vom Wochenende „ist der Weg noch nicht zu Ende und wir müssen noch ein wenig an unserem Minimalziel arbeiten“, gab Thorben seinen Jungs mit in die kommende Woche; im Übrigen ist er aber optimistisch und sich sowieso sicher, dass wir es schaffen. In den kommenden drei abschließenden Heimspielen brauchen wir auch wieder die Unterstützung unserer Fans; wir haben es durch unsere Leistung und Einstellung noch immer selbst in der Hand, auch in der kommenden Saison wieder in der 2. Bundesliga zu spielen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
28. Mai 2018